Welche Regeln gelten für die Ausstattung eines Fitnessstudios?
Für die Ausstattung eines Fitnessstudios gibt es kein einzelnes Gesetz. Stattdessen gelten mehrere Normen, Verordnungen und Empfehlungen, und nur einige davon sind Pflicht. Der Unterschied entscheidet darüber, was Sie verlangen können: Nach freiwilligen Normen dürfen Sie fragen, Pflichten dürfen Sie voraussetzen.
| Regel | Worum es geht | Pflicht oder freiwillig? |
|---|---|---|
| Internationale Norm für Trainingsgeräte | Sicherheit von Geräten und ihre Einteilung in die Nutzungsklassen S, I und H | freiwillig |
| Deutsche Norm für Fitnessstudios | Ausstattung und Betrieb: Geräte, Personal, Fläche, Notfall, Hygiene, ein Teil für EMS-Training | freiwillig, Grundlage für Zertifizierungen |
| CE-Zeichen nach EU-Maschinenrecht | Der Hersteller erklärt, dass das Gerät die Sicherheitsanforderungen erfüllt | Pflicht für den Verkauf |
| GS-Zeichen | Eine unabhängige Stelle prüft das Baumuster und kontrolliert die Fertigung | freiwillig |
| Verordnung für EMS-Anlagen | Anmeldung, Trainer-Nachweis, Aufklärung und Dokumentation | Pflicht für das Studio |
| Empfehlung der Unfallversicherung zur Geräteprüfung | Sichtprüfung, Funktionsprüfung und jährliche Prüfung durch Fachleute | Empfehlung, geschrieben für den Schulsport |
Was bedeutet Klasse S bei Trainingsgeräten?
Trainingsgeräte werden nach ihrer Nutzung in Klassen eingeteilt. Klasse S und Klasse I sind für Geräte in Studios, Vereinen, Hotels und Reha-Zentren gedacht, in denen der Betreiber Zugang und Aufsicht regelt. Klasse H gilt für Geräte im Haushalt.
Ein Heimgerät in einem Studio ist deshalb ein Gerät, das der Hersteller für diese Nutzung nicht vorgesehen hat. Die Klasse gibt der Hersteller an. Fragen Sie beim Probetraining, ob die Geräte für den gewerblichen Einsatz gebaut sind. Bei gebrauchten oder sehr günstigen Geräten lassen Sie sich die Herstellererklärung zu einem Gerät zeigen.
Was sagen CE-Zeichen und GS-Zeichen über ein Gerät?
Das CE-Zeichen ist Pflicht. Der Hersteller erklärt damit, dass sein Gerät die Sicherheitsanforderungen des europäischen Maschinenrechts erfüllt. Er prüft das in der Regel selbst und dokumentiert es, eine unabhängige Prüfung ist dafür meist nicht nötig. Das CE-Zeichen ist deshalb die Eintrittskarte in den Markt und kein Gütesiegel.
Das GS-Zeichen ist freiwillig und sagt mehr. Eine unabhängige Prüfstelle hat das Baumuster geprüft, das Werk besichtigt und mit dem Hersteller vereinbart, die laufende Produktion zu überprüfen.
- CE-Zeichen: Pflicht, Herstellererklärung nach eigener Risikobeurteilung. Fehlt es, darf das Gerät nicht verkauft werden.
- GS-Zeichen: freiwillig, geprüft von einer unabhängigen Stelle, die auch die Fertigung kontrolliert.
- Prüfprotokoll oder Prüfplakette: Nachweis der letzten Prüfung im Studio. Sie zeigt den Zustand von heute, CE und GS den Zustand bei Auslieferung.
Wie oft muss ein Studio seine Geräte prüfen?
Eine feste Frist nennen die ausgewerteten Quellen für Fitnessstudios nicht. Die gesetzliche Unfallversicherung empfiehlt für Sportgeräte drei Stufen: Sichtprüfung vor jeder Benutzung, Funktionsprüfung und mindestens einmal im Jahr eine gründliche Prüfung durch eine befähigte Person mit schriftlichem Befund. Diese Empfehlung ist für den Schulsport geschrieben und keine Vorschrift für Studios. Sie zeigt aber, wie eine ordentliche Prüfung aussieht.
Befähigt ist, wer eine Berufsausbildung, Erfahrung mit solchen Geräten und aktuelle Praxis hat. Ein Betreiber ohne diese Kenntnisse beauftragt ein Fachunternehmen und lässt sich dessen Qualifikation nachweisen. Der Befund nennt unter anderem Datum, Mängel und den Namen des Prüfers.
Was passiert, wenn niemand prüft, zeigt ein Urteil des Landgerichts Coburg von 2009. Ein Mitglied legte 90 Kilogramm an einem Rückenzuggerät auf, das Stahlseil riss, und die Querstange traf ihn am Kopf. Das Gericht sprach ihm 4.000 Euro Schmerzensgeld zu, weil der Betreiber braunen Rost und gebrochene Drähte am Seil mit bloßem Auge hätte erkennen können. Nach dem Urteil muss ein Studio seine Geräte in kurzen Abständen fachkundig prüfen oder prüfen lassen.
Wo die Haftung endet, zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg von 2009. Eine Patientin in einer Physiotherapiepraxis nahm ein Laufband in Betrieb, obwohl sie ausdrücklich nur die Geräte nutzen sollte, in die sie eingewiesen war. Sie stürzte, und der Betreiber haftete nicht: Er musste weder ständig aufpassen noch besondere Vorkehrungen gegen unbefugte Nutzung treffen.
Beim Probetraining können Sie einiges selbst prüfen:
- Sehen Sie sich Seilzüge und Gurte an drei Geräten an. Rost, gebrochene Drähte oder ausgefranste Gurte sind Warnzeichen.
- Kontrollieren Sie Polster, Gewichtsblöcke und Steckstifte. Ein fehlender oder verbogener Stift ist ein Funktionsmangel, kein Schönheitsfehler.
- Lesen Sie das Typenschild mit CE-Zeichen und Nutzungsklasse, und fragen Sie nach Prüfplakette oder Prüfbefund mit Datum der letzten Prüfung.
- Lassen Sie sich an jedem Gerät einweisen, das Sie nutzen wollen. Wo eine Einweisung nötig ist, schuldet das Studio sie, und wer ohne sie eigenmächtig trainiert, kann bei einem Unfall selbst haften.
Was gilt für EMS-Training im Studio?
EMS-Training reizt die Muskeln mit Stromimpulsen über Elektroden am Körper. Für gewerbliche EMS-Anlagen gilt eine eigene Verordnung, die Ende 2020 in Kraft trat. Seit Ende 2022 darf nur noch Personal die Anlage bedienen, das die nötige Ausbildung nachweisen kann. Welche Ausbildung ein EMS-Trainer braucht, erklärt der Ratgeber EMS-Trainer und ihre Ausbildung.
Vier Pflichten treffen das Studio:
- Anmeldung: Das Studio meldet die Anlage spätestens zwei Wochen vor dem Start bei der Behörde an und legt den Nachweis der Trainer bei.
- Nachweis: Jeder Trainer braucht ihn, meist ein Zertifikat nach einer Schulung mit Prüfung. Es gilt fünf Jahre.
- Aufklärung: Der Trainer berät Sie vor dem Training über Wirkungen, Risiken, Nebenwirkungen und Alternativen und weist auf eine mögliche ärztliche Abklärung hin.
- Dokumentation: Die Beratung steht in einem Protokoll, dem Sie zustimmen, und das Studio bewahrt es zehn Jahre auf. Zur Anlage führt es außerdem Belege über Einweisung, Wartung und Störungen, drei Jahre lang nach der letzten Nutzung.
Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten, zum Beispiel eine fehlende Anmeldung oder die Anwendung durch Personen ohne Nachweis.
Was regelt die Norm für Fitnessstudios?
Es gibt eine deutsche Norm speziell für Fitnessstudios, die Anforderungen an Ausstattung und Betrieb festlegt. Ein Teil gilt für Ausdauertraining an Geräten, einer für Gruppentraining, einer für Krafttraining an Geräten und einer für EMS-Training. Laut Arbeitgeberverband DSSV geht es um Geräteausstattung, Personal, Fläche, Beleuchtung, Einsehbarkeit, Gehörschutz, Notfallmanagement, Kundenbetreuung und Hygiene.
Die Norm ist freiwillig, und die genauen Anforderungen stehen im Normtext, den der Verlag verkauft. Sie können trotzdem prüfen, ob ein Studio die Themen ernst nimmt: Gibt es vor dem ersten Training eine Einweisung mit Gesundheitsfragen? Ist die Fläche einsehbar und hell? Hängt ein Notfallplan aus, und ist Personal auf der Fläche? Ein zertifiziertes Studio zeigt in der Regel eine Urkunde.
Kann das Studio sagen, wann eine befähigte Person seine Geräte zuletzt geprüft hat, und gibt es dazu einen Befund oder eine Plakette?
Sind die Geräte laut Hersteller für den gewerblichen Einsatz gebaut, und gibt es eine Einweisung vor dem ersten Training?
Bietet das Studio kein EMS an, oder kann es Trainer-Zertifikat und Anmeldung bei der Behörde zeigen?
Ja, die Pflichtpunkte sind erfüllt. Entscheiden Sie nach Vertrag, Preis und Erreichbarkeit.
Nein, EMS ohne diese Nachweise verstößt gegen die Verordnung. Suchen Sie ein anderes Studio.
Nur mit Vorbehalt. Verlangen Sie Einweisung und Herstellerangabe zur Nutzungsklasse, sonst können Sie das Risiko nicht einschätzen.
Eher nicht. Ohne Nachweis wissen Sie nicht, wie sicher die Geräte sind. Verlangen Sie ihn oder sehen Sie sich ein anderes Studio an.
Häufige Fragen
Welche Norm gilt für Geräte im Fitnessstudio?
Für Trainingsgeräte im Fitnessstudio gibt es eine internationale Norm mit Nutzungsklassen. Klasse S und I sind für Geräte in Studios und ähnlichen Trainingsbereichen gedacht, Klasse H für zu Hause. Die Norm ist freiwillig.
Was ist der Unterschied zwischen CE-Zeichen und GS-Zeichen bei Fitnessgeräten?
Das CE-Zeichen ist bei Fitnessgeräten Pflicht und beruht auf einer Erklärung des Herstellers, meist ohne Prüfung durch Dritte. Das GS-Zeichen ist freiwillig und setzt voraus, dass eine unabhängige Stelle das Baumuster geprüft und die Fertigung kontrolliert hat. Beide beschreiben den Zustand bei Auslieferung, nicht die Wartung.
Wie oft muss ein Fitnessstudio seine Geräte prüfen lassen?
Eine feste Frist für Fitnessstudios nennen die ausgewerteten Quellen nicht. Die Unfallversicherung empfiehlt für Sportgeräte mindestens einmal im Jahr eine Prüfung durch eine befähigte Person mit schriftlichem Befund. Das Landgericht Coburg verurteilte 2009 einen Betreiber, der ein rostiges Stahlseil nicht gewechselt hatte, zu 4.000 Euro Schmerzensgeld.
Haftet das Fitnessstudio, wenn ich mich an einem Gerät verletze?
Ein Fitnessstudio haftet, wenn die Verletzung auf einem Mangel beruht, den der Betreiber bei sorgfältiger Prüfung hätte erkennen müssen. So entschied das Landgericht Coburg 2009 bei einem sichtbar rostigen Seilzug. Nicht haften muss es, wenn Sie ein Gerät nutzen, obwohl Sie nur eingewiesene Geräte nutzen sollten, wie das Oberlandesgericht Oldenburg 2009 bei einem Sturz vom Laufband entschied.
Braucht ein EMS-Studio eine besondere Ausbildung?
Ein EMS-Studio muss seine Anlage spätestens zwei Wochen vor dem Start bei der Behörde anmelden und nachweisen, dass die Trainer die nötige Ausbildung haben. Das ist meist eine Schulung mit Prüfung, alternativ eine Physiotherapie-Ausbildung oder ein Medizinstudium mit Weiterbildung. Das Zertifikat gilt fünf Jahre.
