Kann ein Probetraining zum Vertrag führen?
Ja, das kann passieren. Ein Fall vor dem Amtsgericht München zeigt, wie. Ein Mann hatte für sich ein Testangebot gebucht, 39 Euro für vier Wochen, und seinen 17-jährigen Freund als zweiten Nutzer angegeben. Der Jugendliche bekam einen Zugangs-Transponder gegen 20 Euro Kaution, und seine Mutter unterschrieb dafür ein Formular. Später behauptete das Studio, der Jugendliche habe einen Vertrag über 24 Monate zu 16,98 Euro pro Woche abgeschlossen, und klagte die Beiträge ein.
Das Gericht wies die Klage 2025 ab. Es war überzeugt, dass weder der Jugendliche noch seine Mutter einen Vertrag über 24 Monate wollten. Zwei Kreuze auf dem Formular, bei Classic und bei Zufriedenheitsgarantie, waren bei der Unterschrift laut Gericht noch nicht gesetzt und können später ergänzt worden sein. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, kann also noch angefochten werden.
Für Sie heißt das: Ein Formular, das Sie nach dem Probetraining unterschreiben sollen, kann schon der Vertrag sein. Fragen Sie ausdrücklich, ob es einer ist. Lassen Sie sich eine Kopie geben und prüfen Sie, ob alles, was Sie vereinbart haben, wirklich darauf steht.
Kann ich den Vertrag nach dem Probetraining widerrufen?
Das hängt davon ab, wo Sie den Vertrag geschlossen haben, nicht vom Probetraining. Widerrufen heißt, den Vertrag innerhalb einer Frist ohne Begründung zurückzugeben. Das können Sie bei Verträgen, die Sie online, per App, E-Mail, Telefon oder Brief geschlossen haben. Ebenso können Sie es bei Verträgen, die außerhalb der Geschäftsräume des Studios entstanden sind.
Unterschreiben Sie im Studio, zum Beispiel nach dem Probetraining am Tresen, können Sie nicht widerrufen. Das Studio zählt als Geschäftsraum. Es bleibt die normale Kündigung. Zwei Ausnahmen gelten trotzdem. Entweder hat ein Werber Sie unmittelbar vorher außerhalb des Studios persönlich angesprochen, zum Beispiel auf der Straße. Oder Sie haben den Vertrag schon online abgeschlossen, als Sie das Probetraining gebucht haben.
Wer widerrufen darf, hat dafür 14 Tage ab Vertragsschluss. Hat das Studio Sie nicht über den Widerruf informiert, beginnt die Frist nicht, und das Recht erlischt spätestens nach 12 Monaten und 14 Tagen. Ein Grund ist nicht nötig, und die rechtzeitige Absendung genügt.
| So kam der Vertrag zustande | Widerruf möglich? | Frist |
|---|---|---|
| Unterschrift im Studio, zum Beispiel nach dem Probetraining | Nein | Keine, es bleibt die normale Kündigung |
| Abschluss über Website, App, E-Mail, Telefon oder Brief | Ja | 14 Tage ab Vertragsschluss |
| Auf der Straße persönlich angesprochen, danach im Studio unterschrieben | Ja | 14 Tage ab Vertragsschluss |
| Unterschrift bei einem Hausbesuch oder an einem anderen Ort außerhalb des Studios | Ja | 14 Tage ab Vertragsschluss |
| Das Studio hat Sie nicht über den Widerruf informiert | Ja, länger | Höchstens 12 Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss |
Haben Sie in den 14 Tagen schon trainiert, müssen Sie unter Umständen Geld für die genutzte Zeit zahlen. Das gilt nur, wenn Sie ausdrücklich verlangt haben, dass das Studio sofort loslegt, und wenn es Sie richtig informiert hat.
Was gilt für Minderjährige und ihre Eltern?
Wer unter 18 ist, braucht für einen Vertrag mit laufenden Kosten die Zustimmung der Eltern. Fehlt sie, ist der Vertrag zunächst in der Schwebe: Er gilt erst, wenn die Eltern ihn nachträglich genehmigen. Fordert das Studio die Eltern auf, sich zu erklären, haben sie zwei Wochen Zeit. Schweigen sie, gilt die Genehmigung als verweigert.
Ein Fall aus Baden-Württemberg zeigt das. Ein 17-Jähriger hatte ein Probetraining gemacht. Danach verlangte das Studio 40 Euro Aktivierungsgebühr, also eine einmalige Gebühr fürs Freischalten, und zweimal 6 Euro Mahngebühr und drohte mit Inkasso. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg klagte, das Landgericht Ellwangen gab ihr recht, und der Einspruch des Studios blieb erfolglos.
Auch eine Unterschrift der Eltern hilft dem Studio nicht immer. Im Münchner Fall unterschrieb die Mutter nur, damit ihr Sohn den Transponder bekam. Fragen Sie deshalb bei jedem Formular, wozu genau Sie unterschreiben.
Welche 7 Punkte prüfe ich vor der Unterschrift?
Die Verbraucherzentrale rät, vor der Unterschrift Erreichbarkeit, Öffnungszeiten und Beiträge zu prüfen und das Kleingedruckte in Ruhe zu Hause zu lesen.
- Steht auf dem Formular eine Laufzeit oder ein Beitrag pro Woche oder Monat, ist es sehr wahrscheinlich ein Vertrag. Eine Anmeldung zum Probetraining braucht das nicht.
- Laufzeit und Beitrag: Rechnen Sie einen Wochenbeitrag auf den Monat und auf die ganze Laufzeit hoch.
- Einmalige Kosten wie Aktivierungsgebühr, Servicepauschale und Kaution sollten mit Betrag im Vertrag stehen.
- Verlängerung: Bei Verträgen ab dem 1. März 2022 darf sich der Vertrag nach der ersten Laufzeit nur unbefristet verlängern, mit einem Monat Frist.
- Kündigung: Eine E-Mail muss genügen. Bietet das Studio Verträge online an, braucht es einen Kündigungsbutton, also einen Knopf zum Kündigen auf der Website.
- Widerruf: Bei einem Online-Abschluss muss das Studio Sie über den Widerruf informieren, sonst läuft Ihre Frist nicht an.
- Datum und Kopie: Ohne Kopie können Sie später nicht belegen, was Sie unterschrieben haben.
Wie läuft ein Probetraining ohne Vertragsfalle ab?
Schriftlich anfragen
Fragen Sie per E-Mail nach einem kostenlosen Probetraining und lassen Sie sich bestätigen, dass daraus keine Mitgliedschaft entsteht. Viele Studios bieten es an, manchmal nur auf Nachfrage.
Nur das Nötige angeben
Name und Kontakt reichen für einen Termin. Kontodaten oder eine Einzugsermächtigung brauchen Sie für ein Probetraining nicht anzugeben.
Trainieren und hinschauen
Achten Sie auf Einweisung, Zustand der Geräte, Sauberkeit und Auslastung. Kommen Sie zu Ihrer üblichen Trainingszeit.
Unterlagen mitnehmen, zu Hause entscheiden
Nehmen Sie Vertrag, Kleingedrucktes und Preisliste als Kopie mit, aber unterschreiben Sie nichts. Ein Angebot, das nur heute gilt, ist Verkaufsdruck.
Ein Studio, das ein Probetraining nur gegen Unterschrift oder Kontodaten anbietet, verlangt etwas, das nicht dazugehört. Sie dürfen ablehnen, und die Verbraucherzentrale rät, jeden Vertrag in Ruhe zu Hause zu prüfen. Ein bezahltes Testangebot wie die 39 Euro für vier Wochen im Münchner Fall ist dagegen ein eigener Vertrag mit eigenem Ende.
Was tun bei einer Rechnung nach dem Probetraining?
Eine Rechnung oder Mahnung beweist keinen Vertrag. Das Studio muss im Streit belegen, dass Sie einen Mitgliedsvertrag geschlossen haben. Im Münchner Fall scheiterte es daran. Reagieren Sie trotzdem, denn eine unbeantwortete Mahnung landet schnell beim Inkasso.
- Suchen Sie das Papier heraus, das Sie unterschrieben haben, und prüfen Sie, ob Laufzeit und Beitrag darauf stehen. Haben Sie nichts unterschrieben, schreiben Sie das dem Studio.
- Widerrufen Sie schriftlich, wenn Sie den Vertrag online, per E-Mail oder nach einer Ansprache außerhalb des Studios geschlossen haben: in den ersten 14 Tagen oder, wenn das Studio Sie nicht informiert hat, bis zu 12 Monate und 14 Tage lang.
- Sind Sie unter 18, verweigern die Eltern die Zustimmung schriftlich. Widersprechen Sie der Forderung außerdem schriftlich und bitten Sie um Bestätigung, dass nichts mehr verlangt wird.
- Prüfen Sie Mahngebühren. Im Fall aus Baden-Württemberg entschied das Landgericht Ellwangen gegen das Studio, das 6 Euro je Mahnung verlangt hatte.
- Bezahlen Sie ein Inkassoschreiben nicht, ohne die Forderung geprüft zu haben, und schicken Sie Ihren Widerspruch auch an die Inkassofirma. Bei Drohungen holen Sie Rat bei der Verbraucherzentrale.
Häufige Fragen
Kann ich einen Fitnessstudio-Vertrag widerrufen, den ich nach dem Probetraining im Studio unterschrieben habe?
Nein, einen Fitnessstudio-Vertrag, den Sie im Studio unterschrieben haben, können Sie nicht widerrufen. Das Recht zum Widerruf gilt nur für Verträge, die online, per E-Mail, Telefon oder Brief oder außerhalb des Studios geschlossen wurden. Eine Ausnahme gilt, wenn Sie unmittelbar vorher außerhalb des Studios persönlich angesprochen wurden.
Wie lange kann ich einen online abgeschlossenen Fitnessstudio-Vertrag widerrufen?
Einen online abgeschlossenen Fitnessstudio-Vertrag können Sie 14 Tage lang widerrufen, gerechnet ab dem Vertragsschluss. Die Frist beginnt nicht, bevor das Studio Sie über den Widerruf informiert hat, und das Recht erlischt spätestens nach 12 Monaten und 14 Tagen. Einen Grund brauchen Sie nicht.
Ist ein Fitnessstudio-Vertrag gültig, den mein 17-jähriges Kind nach dem Probetraining unterschrieben hat?
Ein Fitnessstudio-Vertrag, den ein 17-Jähriger ohne Zustimmung der Eltern unterschrieben hat, gilt zunächst nicht. Er wird nur wirksam, wenn die Eltern ihn genehmigen. Fordert das Studio die Eltern dazu auf, gilt die Genehmigung als verweigert, wenn sie nicht binnen zwei Wochen kommt.
Woran erkenne ich, ob das Formular nach dem Probetraining schon der Mitgliedsvertrag ist?
Ein Formular ist meist ein Mitgliedsvertrag, wenn es eine Laufzeit, einen Beitrag pro Woche oder Monat, eine Verlängerungsklausel oder eine Einzugsermächtigung enthält. Eine reine Anmeldung zum Probetraining braucht das nicht. Im Münchner Fall hieß das Dokument Herbstangebot, und das Studio behauptete, es enthalte 24 Monate zu 16,98 Euro pro Woche.
