Wann darf der Trainer Ausfallhonorar verlangen?
Ein Vertrag über Stunden beim Personal Trainer ist ein Dienstvertrag. Der Trainer schuldet das Training zur vereinbarten Zeit, aber keinen Erfolg wie ein bestimmtes Gewicht. Sie schulden die Vergütung, und die wird nach dem Gesetz erst nach der Leistung fällig.
Sagen Sie eine Stunde ab, die der Trainer fest für Sie freigehalten hat, behält er seinen Anspruch auf die Vergütung und muss die Stunde nicht nachholen. Ein zusätzliches Angebot muss er nicht machen, wenn Sie zu einer festen Uhrzeit erscheinen sollten.
Ob ein Termin fest reserviert war, hängt vom Einzelfall ab. Der Bundesgerichtshof hat 2022 an einer Ergotherapiepraxis geprüft, wie die Praxis Termine vergibt und ob das für Patienten erkennbar war. Dort waren die Termine minutengenau und nur für eine Person vergeben, und das Anmeldeformular sagte, dass sie verbindlich sind. Die Praxis verlor den Fall trotzdem, weil sie am Tag der Absage wegen einer Corona-Verordnung gar nicht behandeln durfte. Eine Einzelstunde beim Personal Trainer ist ebenfalls für eine Person reserviert.
Was gilt in sieben typischen Absagefällen?
Ob und wie viel Sie zahlen, hängt davon ab, wer abgesagt hat, wann und warum. Sieben Fälle kommen besonders oft vor. Ihr Vertrag kann einzelne Punkte anders regeln, denn eine wirksame Vereinbarung geht vor.
| Fall | Zahlen Sie die Stunde? | Warum |
|---|---|---|
| Sie sagen innerhalb der vereinbarten Frist ab | Nein | Der Termin ist aufgehoben, bevor der Trainer ihn berechnen kann. |
| Sie verschieben den Termin im Einvernehmen mit dem Trainer | Nein | Bei einer einvernehmlichen Verschiebung entfällt die Gebühr, so haben es Gerichte für Arzttermine gesehen. |
| Sie sagen zu spät ab oder erscheinen nicht, der Termin war fest reserviert | Ja, abzüglich dessen, was der Trainer spart | Der Trainer darf die Stunde berechnen, wenn er die Zeit nicht anders nutzen konnte. |
| Sie sagen zu spät ab, der Trainer vergibt die Zeit an jemand anderen | Höchstens die Differenz | Was er mit der neuen Buchung verdient, muss er abziehen. |
| Der Trainer sagt ab oder erscheint nicht | Nein | Sie zahlen erst nach der Leistung. Im Paket bleibt die Stunde gutgeschrieben. |
| Das Training ist unmöglich, zum Beispiel wegen einer behördlichen Schließung | Nein | Wer gar nicht leisten darf, kann nichts berechnen. So hat es der Bundesgerichtshof 2022 in der Corona-Zeit entschieden. |
| Sie haben den ganzen Vertrag wirksam gekündigt | Nein, für Termine nach dem Vertragsende | Nach dem Vertragsende gibt es keine Leistung mehr, die Sie ablehnen könnten. |
Offen ist vor allem der Fall der plötzlichen Krankheit. Nach dem Gesetz kommt es nicht darauf an, ob Sie an Ihrem Fehlen schuld sind. Gerichte urteilen trotzdem nicht einheitlich, wenn die Bedingungen keine Ausnahme für unverschuldetes Fehlen vorsehen. Die Verbraucherzentrale schreibt für Arzttermine, es gebe deshalb keine allgemein gültige Grundlage.
Ist eine Absagefrist mit Ausfallhonorar erlaubt?
Viele Trainer schreiben in ihre Bedingungen, dass Sie 24 oder 48 Stunden vorher absagen müssen und die Stunde sonst voll oder mit einer Pauschale berechnet wird. Solches Kleingedrucktes prüft das Gesetz streng, weil Sie es nicht verhandeln können. Ein veröffentlichtes Urteil zu Absageregeln von Personal Trainern kennen wir nicht.
Urteile zu Arzt- und Therapiepraxen zeigen, wie weit die Meinungen auseinandergehen. Das Landgericht Kleve hielt 2021 eine Regel mit 24 Stunden Frist und 25 Euro Pauschale für wirksam. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aus einem anderen Grund auf und ließ die Frage offen. Das Landgericht Berlin erklärte 2005 eine 24-Stunden-Regel mit 75 Euro Ausfallhonorar für unwirksam, jedenfalls wenn Patienten bei unverschuldetem Fehlen nichts entgegnen können.
Verlangt der Trainer die Pauschale als Schadensersatz, gilt eine strengere Regel. Die Pauschale ist unwirksam, wenn sie höher ist als der zu erwartende Schaden. Sie ist ebenso unwirksam, wenn Sie nicht nachweisen dürfen, dass kein oder ein viel kleinerer Schaden entstanden ist. Prüfen Sie eine Absageregel deshalb an fünf Punkten.
- Nennt die Regel eine klare Frist in Stunden und eine Form der Absage, etwa per E-Mail oder Nachricht?
- Steht im Vertrag, dass vereinbarte Termine verbindlich und nur für Sie reserviert sind?
- Verlangt der Trainer den vollen Stundenpreis oder eine Pauschale, und steht die Höhe fest?
- Gibt es eine Ausnahme, wenn Sie unverschuldet verhindert sind, zum Beispiel durch einen Unfall?
- Standen die Bedingungen in den Unterlagen, die Sie vor dem Kauf erhalten und bestätigt haben?
Wie lange gilt ein Stundenpaket beim Personal Trainer?
Im Voraus bezahlte Trainerstunden verfallen nicht von selbst. Ohne wirksame Befristung können Sie die Stunden drei Jahre lang einfordern, das ist die allgemeine Verjährungsfrist. Sie beginnt am Ende des Jahres, in dem Sie das Paket gekauft haben. Ein Paket vom Oktober 2026 können Sie bis zum 31. Dezember 2029 abtrainieren. Eine eigene Regel für Trainerstunden gibt es nicht.
Kürzere Fristen in den Bedingungen des Trainers halten nur, wenn sie angemessen sind. Die Verbraucherzentrale verweist für Gutscheine auf zwei Urteile des Oberlandesgerichts München, die eine Gültigkeit von nur einem Jahr als unangemessen verworfen haben. Für Trainerstunden kennen wir dazu kein Urteil, der Gedanke liegt aber nahe.
Wie komme ich aus einem Stundenpaket heraus?
Ein Paket über eine feste Zahl von Stunden endet normalerweise, wenn die Stunden verbraucht sind. Früher aussteigen können Sie auf drei Wegen.
Erstens per Widerruf. Haben Sie das Paket online, am Telefon oder außerhalb der Räume des Trainers gekauft, können Sie als Verbraucher innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Haben Sie verlangt, dass das Training schon vor Ablauf der 14 Tage beginnt, zahlen Sie für die bis dahin gegebenen Stunden Wertersatz. Ausgenommen sind Freizeitangebote mit festem Termin oder Zeitraum im Vertrag. Ob Ihr Paket darunter fällt, hängt vom Vertrag ab.
Zweitens per Kündigung aus wichtigem Grund, etwa wenn Sie wegen einer Krankheit dauerhaft nicht mehr trainieren dürfen. Sie müssen innerhalb von zwei Wochen kündigen, nachdem Sie vom Grund erfahren haben. Der Trainer darf dann nur den Teil der Vergütung behalten, der seinen bisherigen Leistungen entspricht, und muss Vorauszahlungen für die Zeit danach zurückzahlen.
Drittens per Kündigung ohne Grund. Sie ist bei Diensten erlaubt, die besonderes Vertrauen voraussetzen. Ob Personal Training dazugehört, ist nicht geklärt. Das Oberlandesgericht Celle hat 2025 ein Coaching zum Aufbau eines Unternehmens so eingeordnet, weil der Coach Einblick in geschäftliche und finanzielle Verhältnisse bekam.
Sieht Ihr Vertrag selbst eine Kündigung oder eine Erstattung nicht genutzter Stunden vor, gilt diese Regel. Sonst nutzen Sie die Stunden innerhalb von drei Jahren oder bitten um eine Vereinbarung. Vor einem Streit lassen Sie sich beraten, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale.
Wie kläre ich Streit um eine Absage?
Streit über eine abgesagte Stunde entsteht meist, weil die Absageregel nie schriftlich vereinbart wurde. Fünf Schritte klären die Lage, ohne dass die Zusammenarbeit daran zerbrechen muss.
- Suchen Sie die Absageregel in Ihrem Vertrag, der Paketbestätigung oder den Bedingungen des Trainers. Notieren Sie Frist, Form und Höhe des Ausfallhonorars.
- Halten Sie fest, wann und wie Sie abgesagt haben. Eine E-Mail oder Nachricht mit Zeitstempel belegt den Zeitpunkt, ein Anruf nicht.
- Fragen Sie schriftlich, ob der Trainer die Zeit neu vergeben hat. Diesen Verdienst muss er abziehen.
- Bieten Sie einen Ersatztermin an. Stimmt der Trainer zu, entfällt das Ausfallhonorar, halten Sie die Zustimmung schriftlich fest.
- Bleibt der Trainer bei seiner Forderung, prüfen Sie die Regel an den fünf Punkten. Bei größeren Summen hilft die Verbraucherzentrale.
Am einfachsten vermeiden Sie den Streit vor dem Kauf. Lassen Sie sich Absagefrist, Gültigkeit der Stunden und Umgang mit Krankheit vor der ersten Stunde schriftlich geben. Klären Sie diese Punkte im Erstgespräch mit dem Personal Trainer, bevor Sie ein Paket kaufen. Was Stunden üblicherweise kosten, steht bei den Personal Training Kosten.
Häufige Fragen
Muss ich eine kurzfristig abgesagte Stunde beim Personal Trainer bezahlen?
Ja, meist. Eine kurzfristig abgesagte Stunde beim Personal Trainer müssen Sie in der Regel bezahlen, wenn der Termin fest und erkennbar für Sie reserviert war. Der Trainer muss aber abziehen, was er spart oder mit einer anderen Buchung verdient. Haben Sie die vereinbarte Absagefrist eingehalten oder den Termin im Einvernehmen verschoben, zahlen Sie nichts.
Darf ein Personal Trainer die volle Stunde berechnen, wenn ich krank bin?
Ob ein Personal Trainer bei plötzlicher Krankheit die volle Stunde berechnen darf, ist nicht einheitlich entschieden. Nach dem Gesetz kommt es nicht auf Ihr Verschulden an, das Landgericht Berlin hat aber 2005 eine 24-Stunden-Regel ohne Ausnahme für unverschuldetes Fehlen für unwirksam erklärt. Sagen Sie so früh wie möglich schriftlich ab und bieten Sie einen Ersatztermin an.
Wie lange gilt ein gekauftes Stundenpaket beim Personal Trainer?
Ein Stundenpaket beim Personal Trainer gilt ohne wirksame Befristung drei Jahre, gerechnet ab dem Ende des Kaufjahres. Eine kürzere Gültigkeit in den Bedingungen muss angemessen sein. Das Oberlandesgericht München hat für Gutscheine eine Frist von nur einem Jahr als unangemessen verworfen.
Bekomme ich Geld für nicht genutzte Trainerstunden zurück, wenn ich den Vertrag kündige?
Ja, bei einer Kündigung aus wichtigem Grund bekommen Sie im Voraus bezahlte, nicht genutzte Trainerstunden zurück. Der Trainer darf dann nur den Teil der Vergütung behalten, der seinen bisherigen Leistungen entspricht. Ob Sie ohne Grund kündigen dürfen, ist für Personal Training gerichtlich nicht geklärt.
